• Max und Mina

Finnland 2018

Aktualisiert: 30. Juni 2018

Finnland also -.- Mina steht im Wohnzimmer vor mir und springt im Raum umher als sie mir offenbart, dass sie spontan einen Kurzurlaub in Finnland gebucht hat...

Finnland. Ich lasse mir den Namen durch den Kopf gehen .. Finnland.. was verbinde ich mit Finnland ? "Kälte, Dunkelheit, Kälte" Ok, nicht so spannend. Warum soll ich nach Finnland? Dann denke ich weiter: " Rentiere, Schlitten, Huskys, Nordlichter .. Sauna, Lagerfeuer". Wir kommen der Sache schon näher. Ich lasse mich überraschen. Urlaub eingereicht. Ausrüstung optimiert, los geht's:

Tag 1:

Wir fliegen über Helsinki weiter nach Kittilä. Ich blicke aus dem Fenster und sehe eine unendlich große schwarze Fläche und mein Spiegelbild, das mich fragt, warum Mina noch gleich hier hin wollte. Ein einheimischer Passagier spricht mit einem jungen Paar wie uns und meint wie wunderschön das hier alles aussieht. Wie toll die Berge und kleinen Hügel aus dieser Perspektive aussehen würden, wenn doch Licht wäre.

"Ja" denke ich -.- "Wäre doch bloß Licht" -.-

Also bleibt alles zu nächst meiner Fantasie überlassen. Wir landen, ich steige aus und fühle klirrende Kälte. Es werden traditionell die ersten Fotos auf finnischem Boden gemacht. Bei -16°C .. und Wind.

Raus aus dem Airport und rein in den Bus. Die Straße führt durch eine verschneite Waldlandschaft. Ich male mir aus wie das alles bei Tag aussehen muss.


​​Im Seita Hotel angekommen mache ich mir Sorgen, ob wir noch Abendessen bekommen. Mina kommt schon aus dem Staunen nicht mehr raus. "So viel Schnee !! Hoffentlich sehen wir Nordlichter - Schatz mach mal ein Foto!"

Ein großes rotes Hauptgebäude mit einer grünen Eingangstür lädt zum Eintreten ein. Drinnen werden wir freundlich begrüßt und gleich zum Buffet gebracht. "Die Formalien machen wir später - Ihr müsst hungrig sein".

Nachdem alles geregelt ist stapeln wir unsere Koffer in einem Plastikschlitten und laufen den Weg mit dem Kopf im Nacken zu unserer Hütte - Leider keine Nordlichter :-(

Eine kleine, wunderschöne Hütte. Wände, Böden, Tische, Stühle, Bett - Alles aus Holz. Ich mache als erstes Feuer im Kamin und wir packen aus. Morgen geht es los.



Tag 2:

Finnland und ich haben uns schon angefreundet. Aber die Tour heute wird spannend. Wir haben Anne kennen gelernt, eine ganz liebe und gemütliche Person. Gemeinsam beschließen wir eine Wanderung in die Stadt zu machen. Äkäslompolo liegt am gleichnamigen See, über den einige Loipen führen. Das sollte zunächst als Orientierungshilfe dienen. Nach 20 Minuten Fußmarsch drehen wir um, da wir in die falsche Richtung gestartet sind. Einige Zeit später finden wir also den See.



Eine atemberaubende Kulisse tut sich auf. Eine nahezu endlos wirkende Schneelandschaft. Ganz weit hinten eine Baumkette die bis in die Wildnis führt. Klar ist mir kalt. Also beschließen wir in Richtung einiger Häuser zu gehen um mal nach einheimischer Kleidung zu suchen. Schnell werden wir fündig. Ich nehme eine Mütze.. Mina einen Magneten für den Kühlschrank -.- Anne kauft im Supermarkt ein Paar Bier. Kaum offen schon zur Hälfte getrunken.. die andere Hälfte ist unterwegs in der Flasche gefroren. Wir sind uns nicht ganz einig wie genau wir zum Seita Hotel zurück kommen. Den selben Weg zurück zu nehmen kommt nicht in Frage, den kennen wir ja schon. Also auf Richtung Wald. Nach ein Paar Meinungsverschiedenheiten und einigen Google Maps Fehlern nehmen wir ein Foto der Karte in der Hotellobby und vergleichen die Farben der Loipen mit den Schildern vor uns.. identisch - Gott sei Dank. Ich werde langsam nervös, schließlich wird es hier schnell dunkel. Einen Wegpunkt haben wir noch auf der Route. Eine Brücke.. zum.?. genau.. Fotos machen.



Aber die haben sich gelohnt. Alle Nervosität ist verschwunden und ich genieße mit Mina diesen magischen Ausblick.

Wir wollen nicht gehen, müssen aber. Die Dunkelheit kommt schleichend, aber stetig. Aber was ich an diesem Tag bereits sehen durfte, hätte ich mir nicht erträumen lassen. Auch wenn ich als Pendler so einen Winter nicht in Deutschland haben möchte, bin ich froh dass es Länder gibt in denen das noch immer existiert.

Zurück im Hotel machen wir erstmal Feuer, eine Sauna, entspannen und lassen Tag am Feuer ausklingen.

- Wir könnten doch morgen früh den Sonnenaufgang anschauen.. auf einem Berg! Wäre das nicht toll?

Tag 3:

Heute wird's hart. Wir starten mit einer kleinen Schneeschuhwanderung, gefolgt von einer Rentierschlittenfahrt und anschließend einer Snowmobiltour zum Eishotel..

Zurück zum Frühstücksbuffet. Wir frühstücken leckeres Brot, gutes Ei mit knusprigem Speck und Kartofellgratin mit Käse. Schließlich brauchen wir die Energie. Nur zur Sicherheit packen wir noch Sandwiches, selbst gebackenes Pumpernickel und ein Paar hart gekochte Eier ein. An der Rezeption leihen wir die Ausrüstung und machen uns auf den Weg. Diesmal von Beginn an in die richtige Richtung. - Wir kennen uns ja schon aus. Außerdem ist es bereits hell, Sonnenaufgang ist auch ein schleichender Prozess hier.

An der Kirche links, dann gerade aus und schon stehen wir vor dem Pfad. Der Berg ist ca

450m hoch. Sollte also easy werden. Schneeschuhe angezogen und Stecken in die Hand. "Wir marschieren durch den Schnee, das ist richtig schee xD". Das Naturspektakel, dass sich uns zeigt war gigantisch. Die Bäume waren mit soviel weichem Schnee bedeckt, dass sie sich unter der Last bogen. So entstehen immer wieder ganz einzigartige Figuren - ähnlich wie beim Wolken schauen, wenn man im Sommer auf der Wiese liegt - kann ich mir zu jedem Baum ein Tier oder eine andere fantastische Figur vorstellen.




Wir hiken vorbei an riesigen Bögen, an Löwen, an Katzen die ihre Jungen beherbergen, an gigantischen Kuchen und vielen weiteren Gebilden.

Und alles muss fotografiert werden. "Schatz stell dich mal da hin." "Schatz warte mal, ich will mich da hinstellen, aber schau, dass ich gut zu sehen bin". Den Gipfel erreichen wir nicht.

Alleine schon weil wir uns die Zeit nehmen wollen diese Ruhe und Abgeschiedenheit zu genießen. Wie das Licht einfällt und Schatten zieht lässt sich nicht beschreiben. Das alleine ist schon den Trip nach Finnland wert gewesen.

Wir suchen uns eine kleine Lichtung und wägen bei ein paar Snacks ab ob wir weitergehen oder umkehren.

Der Bus in Äkäslompolo der uns zur Rentiertour abholt kommt pünktlich und waretet nicht gerne. Also drehen wir um. Ausrüstung abgegeben und auf in den Bus. Nachezu perfektes Timing.

Wir fahren ca 45 min und kommen bei Hanu's Rentierfarm an. Wir werden in 2 Gruppen aufgeteilt. A geht zu den Tieren, B ins Tipi um sich am Lagerfeuer Hanu's Rentier und Nordlicht- Geschichten bei traditionellem heißen Blaubeersaft aus der KUKSA Tasse und leckeren Wolkenbeerkeksen zu lauschen. Eine ganz besondere Person. Einer der letzten alten Rentierfarmer.




Nun sind wir dran. Weg vom warmen Lagerfeuer und rein in den kalten Schlitten. Eine lange Runde im Märchenwald. Die Tiere bleiben manchmal stehen um etwas Schnee zu futtern. Dann legen sie gleich einen Vollsprint hin um zum vorderen Schlitten aufzuschließen. Alles ohne Führung. Die Rentiere kennen ihren Weg. Im Lager angekommen kann Mina noch ein Paar Tiere füttern und für einige Fotos posieren. Rentiere möchten nicht gestreichelt werden. Also ab in Bus. Wir haben ja noch was vor.

Wir blieben gleich in der Eventagentur "SNOWFUN SAFARIS" die alles super organisiert.

Rein in neue Kleidung und aufs Schneemobil.

Eine fast 90 km hin- und zurück Tour zum einzigartigen Schneehotel erwartet uns. Das Hotel ist erstmal nicht so wichtig. Aber Schneemobilfahren - WOW .. Finnland und Ich sind echt guteFreunde geworden.

Kurze Einführung wie das geht, Snowmobil an mich angepasst, Helm auf, Mina hinten drauf gepackt "Festhalten!" und los geht's mit brutalen 30km/h -.- " Ok..bestimmt ein Übungsmodus. Egal Gefühl bekommen und dann wird das schon."

>Schonmal Waschbrettpisten erlebt ?<

Ich will erstmal garnicht schneller fahren. Das Geruckel und Gewackel war schon eindrucksvoll. Mina friert sich hinten einen ab, weil der Windschild nur mich vor Fahrtwind schützt und nur mich der Motor vorne wärmt. Und die Griffheizung an der Lenkstange war auch toll. Wir kommen so langsam gut mit einander aus. Also das Schneemobil und ich. Mina hat keinen Bock mehr, hat Angst weil sie sich nicht richtig festhalten kann und entscheidet bei der ersten größeren Pause nach 20km, als die Kindersicherung (Turtlemode) entfernt wird, dass sie ab jetzt beim Guide mitfährt.

​​


​Auch diese Pfade führen durch atemberaubende Wälder und unendlich große Sumpfgebiete. Die Tundra ist eindrucksvoll- insbesondere wenn man mit 60 km/h hindurch brettert.

Die Führung durch das Eishotel kostet 15€ pro Person und ist es Wert. Wir können uns in aller Ruhe dort umschauen, jede Suite, jedes Zimmer besichtigen und auch an der Bar einen Shot aus einem Eisglas nehmen. Zu Essen gibt es in der Kantine kräftigendes Rentiergulasch, Süßkartoffelsuppe und Lachs-Sahne-Suppe.

Wir bleiben noch ein Paar Minuten bevor wir aufbrechen - "Gott freu ich mich auf eine Sauna und das Kaminfeuer."

Mina bleibt ihrer Entscheidung treu und bittet mich den Guide zu fragen ob sie auch mal fahren dürfte. Für ihn ist das kein Problem.

Am großen Sumpf wird der Gruppe eine neue Aufgabe gestellt "Bleibe so gut du kannst an Mina dran!" ^^

Nach einer Minute und wenig BlaBla heizt Mina der Gruppe davon "Alter, 85 km/h will ich nicht fahren. Aber sonst verliere ich die Gruppe.. Naja der Guide wird sie bestimmt bremsen" sind meine Gedanken.

Bis zum Camp ist Minas Schlitten kaum zu sehen. Ich halte mich an Lichtkegel in der Ferne und an die Schneespuren und komme mir mit meinen mutigen 75km/h schon vor wie Flash persönlich.

"Wir sind auch mal über nen Hügel gesprungen, war des krass!! " grinst mich Mina an, als wir uns im Camp wieder sehen.

Sauna.. Kaminfeuer.. was für ein Tag.

Tag 4:

Huskytour- Das wird chillig.

Ich war Hundephobiker und spüre immernoch ein wenig Angst wenn ich manchen Rassen begegne. Ich hatte in meiner Kindheit einige ernste traumatische Erlebnisse. Über Freunde die Hunde besitzen (Danke Alex :P) konnte ich beginnen mich der Angst zu stellen. In Thailand und Bali begegnete ich streunenden Hunden, also kann das mit den Huskys nicht so schlimm werden.



Mina und ich machen die Tour alleine mit dem Guide. Wenn ich also von den Hunden gefressen werde, ist Mina die einzige die mir helfen kann bis Joha eintrifft.

30 Hunde und ich mitten drin. Ich spüre keine Angst und gehe frei auf jeden Hund zu, lasse ihn mich bespringen und begrüße ihn. Schnell lerne ich einige Namen und wir stellen die Teams zusammen. "Wie ? Ich soll die Hunde selber an den Schlitten tackern??"

Auf geht's. Ich lasse mir das zeigen und mache es einfach nach. Ich helfe Mina bei einem widerspenstigem Hund und sie ist beeindruckt, wie ich mit den Tieren umgehe. Jeder hat seinen eigenen Schlitten

Schlitten sind gepackt und eingespannt. Kurzer Crashkurs - "Fußbremse. Nicht loslassen wenn du vom Schlitten fällst. Wenn die Hunde mal müssen, fahre langsamer!"

Es geht wieder durch einen magischen Zauberwald und schnell bekommen wir ein Gefühl für die einzige Bestimmung die ein Husky hat. Schneemobil fahren war ja cool. Aber das ist um Längen besser. Mina stürzt und lässt los. Der Schlitten fährt weiter.

Ich fahre zu ihr und versuche sie auf meinen Schlitten zu hiefen. Meine Hunde zerren unentwegt am Schlitten und merken schnell, dass ich nicht mehr richtig auf der Bremse stehe und legen los. Mit einem Beckerhecht lande ich auf der Fußbremse und ramme sie mit aller Kraft in den Schnee. Die Hunde warten. Ich habe Zeit Mina aufzuheben und wir fahren zu ihrem Schlitten. Unser Guide wartet ganz entspannt auf, fragt ob alles Ok ist und wir fahren weiter. Weiter über zugefrorene Sümpfe. Wir sind mit unseren Schlitten zu laut, sonst könnten wir mit Glück einige Tiere beobachten. Der Wind pfeift mir um die Ohren, die Hunde bellen und sind glücklich, weil sie immer wieder von mir gelobt werden. Links und rechts sind kilometerlange Baumreihen und der Schnee weht mir ins Gesicht - ich möchte gerade nirgends lieber sein. Ich friere nicht, ich liebe die Kälte.

Wenn Schlittenhunde ihren Piloten verlieren laufen sie automatisch zum ersten Schlitten mit dem Alpha des Rudels und warten dort. Das ist angeboren. Mina überprüft noch einmal ob das stimmt, testet aber erst noch, wie lange sie sich am Bauch mitziehen lassen kann. Es ist aber auch gemein, dass die Hunde leichter sind als der Mensch mit seinem Schlitten. Fährt der Schlitten über ein Schlagloch im Schnee ist es den Huskys egal. Als Pilot musst du das Loch rechtzeitig erkannt haben, um die Schwerkraft nicht herauszufordern.

​​


​Wir machen eine Pause am Lagerfeuer. Eine Art Unterstand für Jäger und Wildernessguides. Die Huskys bekommen sofort ihr Futter und verkriechen sich in sich selbst - auch angeboren. Fressen und Schlafen.

Wir machen erstmal Feuer. Mit einer gusseisernen Pfanne kocht uns Jaro Rentiergeschnetzeltes mit Gemüse, dazu reicht er heißen Blaubeersaft. - wirklich lecker. Später gibt es noch Kaffee und wir reden über die Huskys und ich erzähle meine Geschichte warum ich angst vor Hunden habe.

Joha erzählt mir, dass alles Böse aus den Huskys herausgezüchtet wurde. Vor Jahrhunderten lebten die Huskys mit in den Tipis der Vorfahren zusammen mit der ganzen Familie. Da die kleinen Kinder oder gar Babys neben den Huskys schliefen durfte von den Hunden aus keine Gefahr bestehen. Aus diesem Grund sind Huskys die wohl familienfreundlichsten Tiere die es gibt.



Wir trinken unseren Kaffee - auch wieder aus der KUKSA - und hören dem Wind zu. Ich liebe Finnland.. wirklich!

Wir packen zusammen - die Huskys spüren, dass es bald wieder los geht. Sie stehen auf, schütteln den Schnee ab, bereiten sich auf die Weiterfahrt vor, bellen, knabbern an sich und freuen sich als sie uns sehen wie wir auf die Schlitten steigen. Joha löst die Leinen vom Baum und wir müssen sofort wieder auf die Bremse treten. Diese Energie und Kraft von 4 Huskys die an einem Schlitten ziehen werde ich nie vergessen.

Am Hof angekommen trinken wir noch eine heiße Schokolade und Joha fährt uns zum Snowfun Safari zurück.

Dort wartet noch eine kleine Nachtwanderung mit Schneeschuhen auf uns bei der sich ältere britische Damen von feinen Herren aus der Schweiz aus dem tiefen Schnee helfen lassen.

Abschließend kann ich Mina nur zustimmen. Man soll sich nicht immer zu voreingenommen an Sachen heran wagen. Mach es erstmal und entscheide danach ob es gut war. Nicht der erste Eindruck zählt sondern der Letzte.

Danke Äkäslompolo -Max ​​​

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