• Max und Mina

Fes - die ersten 24 Stunden in einem Land der Vorurteile.

Warum Land der Vorurteile? Fliegst du nach Marokko, hat jeder einen tollen Tipp für dich. "Pass auf die Menschen auf"," jeder will dir was verkaufen", "jeder ist ein Gauner", "du musst Französisch lernen, weil die kein Englisch können". "Pass auf, dass du nicht zu viel bezahlst, weil die dich übers Ohr hauen". "Nimm keine Drohne mit nach Marokko, die wird am Flughafen konfisziert". Euch allen die uns nett gemeinte Ratschläge geben, wollen uns nur beschützen, dass wir nichts Unüberlegtes tun. Das ist sehr lieb und zeugt von guter Nächstenliebe. Wir haben heute, für einen Tag, viele dieser Ratschläge geprüft. Alles sehr überlegt, dreimal nachgedacht, Raum gegeben, um auf die Schnauze zu fallen, aber immer mit der Möglichkeit wieder aufzustehen.


Was ich damit meine? Als wir vom Flughafen kamen, dauerte die Passkontrolle etwas länger als erwartet. 10 Mann in einer Reihe. 7 Reihen, 7 offene Schalter. Super organisiert, aber nach dem man ausgerechnet hat, dass man erst in 20 Minuten dran kommt, wird man als Deutscher doch etwas nervös. Obwohl wir zwei Länder hinter uns haben die besser im chillen sind, als wir. Am Schalter jedenfalls, wird erstmal jede Seite deines Passes kontrolliert, die Daten mit dem Einreiseformular aus dem Flieger überprüft und auch gegebenenfalls eine Zeile verbessert, sollte man sich geirrt, oder undeutlich geschrieben haben. Dann tippt der Beamte alles in den Computer ein, welcher am Ende eine Zahlen-Buchstaben Kombination ausspuckt die zusammen mit dem Einreisestempel auf die letzte Seite geschrieben wird. Man wird zum Weitergehen aufgefordert und trifft einen Mann der am Pass überprüft ob der Stempel hinten auch drin ist. Dann wird noch das kleine Handgepäck gescannt. Die größeren oder ganz kleinen Taschen werden nicht überprüft. Du wirst lediglich gefragt, ob du eine Drohnen mitführst. Antwortest du mit „Nein" ist alles gut. Bislang habe ich mit den Beamten auf Französisch gesprochen, aber diese antworteten immer in Englisch. Aber ich bin entschlossen weiterhin Französisch zu reden - wozu habe ich auch sonst Geld für eine tolle Lern-App ausgegeben? Endlich in der Lobby angekommen, geht’s zum ATM, der aber nur 100er ausspuckt, solltest du für eine Woche Geld im Voraus abheben wollen. Also einmal einen 20ger wechseln, dann tust du dir ein tollen Gefallen.

Wenn du mit dem Bus 16 am Kreisverkehr, rechts vom Ausgang für 4 Dirham (MAD) zum Hauptbahnhof (Gare de Fes) fährst, kommst du dir nicht blöd vor wenn du in dem Bus mit dem 100er rumwedelst, den sowieso keiner wechseln kann. Nun gut. Am Hauptbahnhof (Gare de fes) angekommen, in ein Taxi steigen und sich zum Hostel fahren lassen, ist einfacher als sich nochmal mit dem Busfahrplan auseinanderzusetzen.

Bestehe auf das Taxameter, dann sparst du dir die lästige Diskussion davor, während der Fahrt und danach. Das Vorurteil mit den Gaunern hat schon mal bewahrheitet, denkst du jetzt sicher.


Ein weiteres Vorurteil ist, dass jeder Einheimische Geld für jede Auskunft möchte. Ein junger Mann zeigte uns, nach verlassen des Taxis, wo sich genau unser Hostel befindet. Auch wenn in Fes 50 Meter echt lang sein können, waren wir nicht auf die Hilfe angewiesen. Er bestand aber darauf, dass er uns in seiner Stadt willkommen heißen möchte. Er zeigte uns das Hostel, freute sich seines Lebens, dass wir zufrieden waren und ging weg. Ohne Geld zu verlangen. Im Hostel bekamen wir erstmal Tee, da unser Zimmer noch nicht fertig war. Ahmed, der Hostelier ist sehr zuvorkommend. Ein unglaublich gut gelaunter, junger und fröhlicher Mensch. Er hat immer einen coolen Spruch auf Lager. Ich denke, dass es nicht nur ein Job für ihn ist, sondern dass er wirklich für seinen Beruf lebt. Ein weiter Grund, der für die Gastfreundlichkeit der Menschen aus Fes spricht ist, das kostenlose Abendessen in diesem Hostel (Riad Verus). Alle Gäste werden eingeladen, an einen großen Tisch gesetzt und das Hostelteam versorgt dich mit vielen orientalischen Speisen. Auf die Frage warum das Free Dinner heute stattfindet, bekamen wir die Antwort, dass er einfach Lust dazu hätte. Er freut sich, dass viele Menschen heute sicher angekommen sind und sich für sein Hostel entschieden haben. Das feiert er mit dem Dinner (ist nicht täglich)



Die Stadt Fes selbst ist in verschiedene Regionen unterteilt. Wir waren nur in der Altstadt (Medina). Zwei lange Straßen vom blauen Tor (Bab Bou Jloud) bis zum großen Place R'cif bilden die Hauptstraßen der Medina. Tausende kleine Gassen verzweigen sich immer weiter von diesen Straßen bis man sich nicht mehr zurecht findet. Sich in den Gassen zu verlaufen gehört aber zu den Attraktionen von Fes dazu. Mit der App mapsme und etwas Hilfe kommst du aber ganz gut wieder zu deiner Route zurück. Vielleicht ist auch besser, dass man nicht jedem traut. Manche Jugendliche führen dich in die entgegengesetzte Richtung und verlangen Geld dafür, andere wollen dir unterwegs einen Teppich oder eine Ledertasche verkaufen. Es gibt aber genügend Menschen die ehrlich und höflich sind. Die Vielfalt der Eindrücke ist aber der eigentliche Grund Fes als erstes Ziel zu nehmen. 1001 Nacht light. Wir haben mit Gewürzhändlern, Ledertaschen- Verkäufern, Drogendealern und Restaurantbesitzern gleichermaßen freundlichen Kontakt gehabt, ganz gleich ob du das Angebot annimmst oder nicht.



Es gibt in Fes Cafes mit Terrasse. Diese haben den besonderen Charme, dass man eine tolle Aussicht über ganz Fes genießen kann. Wenn dich Leute in Ihre Terrassenbar einladen, schaue erst ob dir der Ausblick gefällt und entscheide du bleiben willst. Oft trifft man auch in den Gassen Jungs, die dich durch ihr Geschäft führen, um zu solch einer Bar zu gelangen. Machs einfach mal. Wenns dir nicht gefällt, dreh dich um, mecker kurz und geh einfach wieder -ohne dafür zu bezahlen. Manchmal wollen sie 1€ umgerechnet. Deine Entscheidung. In der nördlichen langen Gasse begegnet ihr Fremdenführen, die für 20MAD (1,85€) eine Tour IN die Gerber Betriebe anbieten. Die Tour -auf englisch- dauert 30 Minuten, ist wirklich einzigartig, anfangs beängstigend wegen des Geruchs und der Gassen, wird aber später, wenn du in dem Betrieb bist, wirklich spannend. Am Ende der Tour will er meist 50MAD, weil die ersten 20MAD für den ominösen „Torwächter" sind, den es nicht gibt. Und er will ja schließlich auch was verdienen. Je nach dem wie gut du diskutieren kannst änderst sich dann auch dein Endpreis. Aber selbst die 50MAD wären es Wert. Aber man ändert nicht einfach im Nachhinein den Preis. Wir zahlten am Ende 30MAD.


Hammam oder nicht Hammam. Hammam kannst du für viel Geld, auf die touristische Tour - mit Tee und Blümchen, heißem Stein, toller Massage und viel Chichi machen und sich am Ende ganz gut fühlen, oder man lässt Ahmed aus dem Hostel ein Hammam buchen. Dann zahlst du nur einen Bruchteil, liegst auf dem Boden einer alten 15 Jahre alten Umkleidekabine, trotzdem warm und angenehm -irgendwie- und lässt dich von einem eher weniger attraktiven Menschen einseifen und dir mit dem Drahthandschuh 1-2 Hautschichten entfernen. Allerdings fühlt man sich danach wie ein junger Gott. Über Tajine und Couscous Nun ja. Es gibt eben zwei stets präsente Gerichte in Marokko. Das macht am Anfang auch echt Spaß zu essen, weil sie wirklich gut gemacht sein können. Sehr gut haben wir in Fes in der Nähe vom blauen Tor bei Tahmi gegessen. Und außerdem war es für 25MAD -2,30€ die günstigste Tajine überhaupt in Marokko. Coucous ist eher der Sonntagsbraten, wird aber traditionell am serviert. In Freitag den Restaurants gibt es das jeden Tag.

Die Straßenhändler verkaufen auch sehr leckeres Essen. Egal ob deftige Backwaren oder Früchte. Aber Vorsicht! Das Obst, welches mit Schale gegessen werden kann ist mit Vorsicht zu genießen. Haltet euch lieber an Bananen und Kaktusfeigen. Letztere wurden zu einem Lieblingsgericht in Marokko. Wenn du Lust auf ein tolles Panorama hast, dann geh doch vom blauen Tor weiter Stadt auswärts auf den Hügel mit der alten Ruine. Da lassen sich bei Tag oder Dämmerung wirklich eindrucksvolle Bilder schießen.

Einige Vorurteile haben sich bewahrheitet. Zwar nicht in so einer extremen Form wie anfangs gedacht, aber trotzdem zeigten sie sich. Fast alle Menschen, die wir trafen, waren sehr nett uns hilfsbereit. Englisch reicht vollkommen aus. Sprichst du kein Französisch, triffst du sicher jemanden, der Englisch spricht und auf arabisch übersetzen kann, oder Deutsch redet und fließend Französisch spricht ( gell Daniel :-) ) - oder du machst es wie der Koreaner, aus Merzouga, der kein Wort in einer anderen Sprache konnte und sprichst einfach nicht.

Drohnen haben wir tatsächlich keine Gefunden. Liegt aber sich daran, dass die Moscheen nicht von jedermann besucht werden dürfen. Überfliegst du demnach eine Mosche mit deiner Drohne, könntest du Probleme bekommen. Und die Dinge gekauft haben, wollten wir tatsächlich auch mit voller Absicht kaufen.


So viel zu Fes. Ich hoffe deine Reise verläuft nach Plan. Solltest du am Gare de Fes (Hauptbahnhof) stehen und Hunger haben gibt es links neben der Tanke, gleich beim Taxistand ein tolles kleines Restaurant mit guten Sandwiches.

Mietwagen abholen und tiefer nach Marrokko. Nächster Halt Chefchaouen.


Grüße Max

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